Trump & Soja: Der globale Agrarhandel

Auf der Veranstaltung der DLG konnte ich auch mit jemandem sprechen, der vor seiner Selbstständigkeit bei einer Tochterfirma von ADM gearbeitet hat, einer von vier traditionellen Rohstoffhändlern, die den globalen Handel dominieren.

Der internationale Agrarhandel ist generell ein Geschäft mit wenigen Teilnehmern. So kommt die ABCD-Gruppe, benannt nach den Anfangsbuchstaben von Archer Daniels Midland, Bunge, Cargill und Louis Dreyfus, auf einen Marktanteil von schätzungsweise 70 Prozent, nach anderen Quellen 80 Prozent.

 Diese Unternehmen begnügen sich aber nicht einfach nur mit dem Handel, sondern haben dem Ausdruck „vertikale Integration“ eine neue Bedeutung gegeben.

Egal ob es die Verarbeitung von Weizen & Mais zu Viehfutter, Stärke für die Papier- und Arzneimittelindustrie, Fruktosesirup für die Süßwaren- und Getränkehersteller, der Betrieb von Ölmühlen die Soja & Raps zu Öl, Biodiesel und Glyzerin für Zahncreme und Shampoos oder die Produktion von Kakaomassen für alle großen Schokoladenproduzenten ist – die ABCD sind immer dabei.
Aus diesem Grund berichtete Bloomberg einst über Cargill, dass das Unternehmen nicht einfach nur Teil der Wertschöpfungskette vom Acker bis zur Ladentheke ist. Es ist die Kette selbst.

Neuerdings beginnen auch die Chinesen mit der staatlichen China National Cereals, Oils and Foodstuff Corporation (Cofco) am internationalen Markt mitzumischen, und verdrängen insbesondere im Soja-Geschäft die alteingesessenen Big-Four des Agribusiness.

Was haben die ABCD jetzt mit Trump & Soja zu tun?

Nun ganz einfach: Diese Unternehmen existieren, um Profit zu machen, weshalb sie jede Chance nutzen, die ihnen vor die Nase springt.
In diesem Fall sorgte die chinesische Reaktion auf die trump‘schen Stahl- und Aluminiumzölle, nämlich Zölle auf US-Sojabohnen, für einen drastischen Preiscrash am amerikanischen Soja-Markt. In Brasilien, dem mittlerweile größten Sojaproduzenten noch vor der USA, stiegen die Preise dagegen an, da der größte Soja-Nachfrager der Welt nun seine Ware woanders beziehen musste/wollte.

Just zu diesem Zeitpunkt reiste EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Junker nach Washington, um weitere Zölle gegen europäische Unternehmen durch ein Gespräch mit Trump zu verhindern. Dabei versprach er ihm vollmundig den europäischen Import von amerikanischen Sojabohnen. Genau dies ist anschließend auch eingetreten.

Wie kam es dazu? Ist die EU-Planwirtschaft etwa weiter fortgeschritten als gedacht?

Man könnte auf den Gedanken kommen. Tatsächlich haben aber die ABCD die Gunst der Stunde genutzt und so viel billige Sojabohnen wie sie nur kriegen konnten aus den USA zu den Ölmühlen nach Europa verschifft.

Letztlich kauften sie nun verstärkt ihre Bohnen in den USA und nicht mehr in Brasilien und Argentinien. China dagegen kaufte nur noch in Südamerika und nichts mehr von den Amerikanern.
Die Konsequenz daraus war einerseits ein steigender EU-Sojaimport aus den USA und andererseits eine Preisanpassung der brasilianischen und amerikanischen Sojabohnen, wie aus nachfolgender Grafik ersichtlich wird.

Quelle: Klaus Schumacher, 4. Hohenheimer Landwirtschaftsdialog.

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Fabian Wierczoch
Founder & CEO

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