Explodiert der Weizenpreis? | Feldrundgang Weizen & Raps

Da in Rohstoffe im Gegensatz zu Aktien deutlich weniger Erwartungen und Hoffnungen eingepreist sind, ist bei der Analyse insbesondere das fundamentale Umfeld zu berücksichtigen – also der Zustand draußen am Ort der Produktion.
Um diesen jedoch beurteilen zu können, ist Grundlagenwissen aus dem Bereich der Produktion von Nöten, worum es in diesem Blogbeitrag deshalb gehen soll.

Winterweizen & -raps im Frühjahr - Ein Überblick

Sobald der Schnee im Frühjahr geschmolzen ist und die Vegetation beginnt, bereiten sich die Landwirte in allen Anbauregionen dieser Welt auf den Start der Düngekampagne vor.
Egal ob mit Gülle oder Mineraldünger, ob bio oder konventionell – jetzt geht es darum die Winterungen mit den nötigen Nährstoffe für den Beginn der Wachstumsphase zu versorgen, damit diese in den kommenden Wochen Wurzeln und Photosyntheseorgane ausbilden können.

Die Landmaschinen sind in dieser wetter-kritischen Phase auf ausreichende Tragfähigkeit der Böden angewiesen, da die Düngung ansonsten nicht durchgeführt werden kann. Aus diesem Grund verlegen viele Betriebe diese Arbeiten auf die Nacht- und frühen Morgenstunden, da im zeitigen Frühjahr die Böden zu diesem Zeitpunkt nachts oberflächlich gefrieren, um dann tagsüber wieder aufzutauen.
Großbetriebe gehen dabei sogar so weit, dass in 24-Stunden-Schichten die erste Düngergabe ausgebracht wird: Tagsüber werden die abgetrockneten und somit befahrbaren Flächen gedüngt, und Nachts die feuchteren Schläge, die dann gefroren sind.
Damit die spezielle Ausbringtechnik keine unnötige Zeit auf der Straße verschwendet, haben diese Betriebe auch eine straff getaktete Düngerlogistik, damit sobald das Güllefass oder der Düngerstreuer leer sind immer ein Zulieferfahrzeug am Feldrand bereitsteht, um das Ausbringfahrzeug wieder zu beladen.

Ähnlich wird etwa drei Wochen später auch bei der ersten Herbizidanwendung gegen Unrkäuter vorgegangen, mit dem Unterschied, dass dann die Temperaturen nicht mehr unter den Gefrierpunkt sinken dürfen, da sonst einerseits die Wirksamkeit der Pflanzenschutzmittel erheblich eingeschränkt ist und anderseits die Kulturpflanze Schäden davon trägt.

Wenn die Witterung insgesamt aber sehr trocken ist, hat dies zwar für die Befahrbarkeit Vorteile, allerdings wird dann der Dünger nicht aufgelöst und kann dann nicht von der Pflanzen aufgenommen werden, und auch die Wirksamkeit von Pflanzenschutzmitteln ist niedriger, was den Aufwand für diese Betriebsstoffe erhöht. 

Aktuelle Risiken

Genau letztgenannten Zustand haben wir aktuell in Europa vorliegen. Die Auswirkungen der Trockenheit aus dem Jahr 2018 sind nach wie vor spürbar.
In Deutschland liegt die nutzbare Feldkapazität bis auf wenige Ausnahmen unter dem Mittel der Jahre 1981 bis 2010, was aus folgender Grafik ersichtlich wird.

Nutzbare Feldkapazität im Dezember 2018 im Vergleich zum Mittelwert 1981-2010. Quelle: DWD.

Besonders betroffen ist dabei der Nord-Osten Deutschlands, insbesondere die Kornkammer Mecklenburg-Vorpommern und die Hochertragsregion Magdeburger Börde.

Von den Kulturen ist am meisten der Raps geschädigt. Fehlendes Wasser und daraus resultierende mangelhafte Keimbedingungen haben zu einer 20 Prozent niedrigeren Anbaufläche im Vergleich zu 2018 geführt. Da Deutschland eines der wichtigsten Anbauländer für die Kultur ist, sind Konsequenzen für den globalen Ölsaatenmarkt wahrscheinlich.

Die EU-Kommission meldet derweil, dass es in Süd- und Osteuropa gleichermaßen schlecht zum Vegetationsstart aussieht.

 

Weitere Risikoquelle, die zu erheblich steigenden Preisen für Weizen, Mais und Soja aber auch Fleisch führen kann, sind die aktuellen Überflutungen im mittleren Westen der USA, dem globalen Zentrum des Mais- und Sojaanbaus.
Dort sind ganze Landstriche komplett überflutet – samt noch gefüllten Lägern. Das die Flächen rechtzeitig zur Aussaat Anfang Mai befahrbar sind, ist zu bezweifeln. 

 

Veranschaulichung der Ausbringung von Mineraldünger und Gülle

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Fabian Wierczoch
Founder & CEO

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